Die aktuelle Haushaltslage in Tutzing sieht auf den ersten Blick deutlich besser aus als noch vor wenigen Jahren: Der Verwaltungshaushalt ist auf über 30 Millionen Euro angewachsen, die Zuführung zum Vermögenshaushalt fällt wieder positiv aus, und Rücklagen mussten 2025 nicht wie geplant fast vollständig aufgebraucht werden. Gleichzeitig sind wir aber weit davon entfernt, finanziell entspannt zu sein – im Gegenteil: Hohe Kreisumlagen, steigende laufende Kosten und ein wachsender Investitionsbedarf setzen die Gemeinde weiter massiv unter Druck.
Was sich verbessert hat – und warum das nicht reicht
- Aus dem Verwaltungshaushalt kann wieder ein Überschuss in den Vermögenshaushalt zugeführt werden, nachdem es in den Vorjahren zeitweise sogar ein Defizit gab.
- Die Rücklagen liegen aktuell höher als ursprünglich geplant, weil einzelne Ausgaben verschoben wurden und Mehreinnahmen – vor allem bei der Gewerbesteuer – für Entlastung gesorgt haben.
- Wichtige Projekte wie die Sanierung der Hauptstraße und die überfällige Sanierung der Mittelschule sind auf den Weg gebracht bzw. nahezu abgeschlossen – das ist richtig und notwendig, kostet aber viel Geld.
Diese „Aufhellung“ beruht aber zu einem guten Teil auf Sondereffekten, der Verschiebung von Investitionen und einem außergewöhnlich guten Gewerbesteuerjahr – sie ist keine strukturelle Entwarnung.
Hohe Lasten: Kreisumlage, laufende Kosten, Investitionsstau
- Die Kreisumlage ist mit rund 11,3 Millionen Euro der mit Abstand größte Einzelposten im Haushalt und steigt weiter; fast die Hälfte der kommunalen Steuerkraft fließt damit an den Landkreis ab.
- In nur fünf Jahren ist der Verwaltungshaushalt von etwa 20 auf über 30 Millionen Euro gestiegen – eine Steigerung um rund 50 Prozent, getrieben durch höhere Löhne, Energiepreise, Baukosten und gesetzliche Vorgaben.
- Gleichzeitig besteht ein erheblicher Sanierungsstau bei kommunalen Liegenschaften: energetische Sanierungen wurden wieder verschoben, was zu dauerhaft höheren Energiekosten, mehr CO₂-Ausstoß und steigenden zukünftigen Investitionssummen führt.
Hinzu kommen offene Risiken: ungeklärte Mehrkosten bei der Mittelschule, anstehende Investitionen in Wasser- und Abwasserinfrastruktur, Straßen, Schulen, Feuerwehr und öffentliche Gebäude.
Unsere Linie: Ehrliche Analyse statt Haushaltskosmetik
Als Gemeinde stehen wir mit dem Rücken zur Wand, weil der Freistaat seine „schwarze Null“ auf dem Rücken der Kommunen organisiert. Während in München Rücklagen in Milliardenhöhe aufgebaut werden, müssen Gemeinden, Landkreise und Bezirke mit Sparhaushalten arbeiten, die an die Substanz gehen.Für mich heißt das:
- Wir dürfen uns nicht von Einmaleffekten täuschen lassen, sondern müssen strukturell handlungsfähig werden.
- Verkäufe von Gemeindeliegenschaften als Dauerinstrument zur Haushaltskonsolidierung lehne ich ab – das ist der Ausverkauf unseres gemeinsamen Eigentums und nimmt uns Spielräume z.B. beim bezahlbaren Wohnen.
- Stattdessen brauchen wir klare finanzpolitische Ziele: eine spürbare, dauerhafte Überschussquote im Verwaltungshaushalt, um Investitionen aus eigener Kraft zu ermöglichen, ohne ständig neues Tafelsilber zu veräußern.
Einnahmen sichern: Grundsteuer als ehrlichstes Instrument
Ich drehe ungern an der Steuerschraube. Aber wenn wir in den nächsten Jahren zentrale Aufgaben finanzieren wollen – von der Ablösung der Zwischenfinanzierung der Mittelschule über Klimaanpassung und energetische Sanierungen bis hin zu bezahlbarem Wohnraum – werden wir zusätzliche, verlässliche Einnahmen brauchen.
Die Grundsteuer ist dabei das ehrlichste und vergleichsweise soziale Instrument:
- Sie knüpft an Grund- und Immobilienbesitz an und belastet damit eher Vermögen als Arbeitseinkommen.
- Kleine Wohnungen und Grundstücke werden absolut und relativ weniger belastet als große Flächen; Rechtsprechung und Satzung eröffnen zudem Spielräume für Entlastungen im geförderten Wohnungsbau.
- Das Aufkommen fließt vollständig in den Gemeindehaushalt und steht direkt für Kitas, Schulen, Straßen, Grünflächen, Kultur- und Sozialangebote zur Verfügung.
Eine maßvolle Erhöhung der Grundsteuer ist unpopulär, aber notwendig, wenn wir handlungsfähig bleiben und zukünftige Generationen nicht mit einem weiter ausgehöhlten Gemeindevermögen und verschleppten Investitionen zurücklassen wollen.
Partnerschaftliche Finanzierung: Gemeinde, Bürgerschaft, übergeordnete Ebenen
Solide Gemeindefinanzen sind mehr als Buchhaltung – sie entscheiden darüber, ob Tutzing lebenswert bleibt: mit guter Infrastruktur, Bildung, Kultur, sozialem Zusammenhalt und konsequentem Klimaschutz.
Dafür setze ich mich ein:
- für eine faire Kommunalfinanzierung durch den Freistaat mit höherer Verbundquote, verlässlichen Mitteln statt einmaligen Programmen und mehr Planungssicherheit,
- für eine ehrliche Debatte im Gemeinderat über Einnahmen und Ausgaben, inklusive der Frage, wie wir mit Steuern, Krediten und Vermögensverkäufen umgehen,
- und für mehr partnerschaftliche Projekte zwischen Gemeinde und Bürgerschaft – von Minigolf und Kino bis hin zu Bürgerenergie und Genossenschaftsmodellen im Wohnungsbau.
Nur wenn wir diese Ebenen zusammenbringen, können wir Tutzings finanzielle Basis stärken, notwendige Investitionen schultern und gleichzeitig die Lebensqualität im Ort sichern.